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Erkennen von Tuning- Bedarf

Warum werden Fahrwerkfehlstellungen vom Fahrer oft nicht erkannt ?
Fahrwerksfehlstellungen sind für den normalen Straßenfahrer oft nicht so offensichtlich erkennbar wie für einen geübten Rennstreckenfahrer. Wenn ein Motorrad zum Wackeln, Pendeln oder zum Lenkerschlagen neigt, ist ein Fahrwerksfehler auch für den weniger kundigen Motorradfahrer erkennbar. Aber bei jenen Fahrwerksschwächen, die nicht so offensichtlich sind, richtet sich der Fahrstil oft unbewusst auf die Fahrwerksschwächen - nach dem, was das Fahrwerk erlaubt - aus.

Offensichtliche Hinweise des Fahrwerks auf Optimierungspotentiale?
Schwächen in den Fahreigenschaften sind Handling, Einlenkverhalten, Zielgenauigkeit, Balancierbarkeit, Aufstellverhalten und Stabilität sowie der Grip des Hinterrades und den des Vorderrades nicht zu vergessen. Verschleißbedingte Fahrwerksschwächen können auch durch defekte Lagerstellen auftreten, oder durch den Verschleiß der Dämpfungselemente hervorgerufen werden.

Zuordnung häufiger Fahrwerksschwachstellen zu Fahrfehlverhalten:

Geometrie:

  • Fehlende Bremsstabilität verursacht ein seitliches Ausbrechen des Hecks.
  • Sensibles Vorderrad, Lenkerpendeln bei höheren Geschwindigkeiten. Es ist nicht möglich, bzw. es ist gefährlich, die Hände kurzzeitig vom Lenker zu nehmen.
  • Das Motorrad ist nicht agil, ist unhandlich und man kann es beim Kurvenwechsel nicht schnell genug "umlegen".
  • Das Motorrad neigt zum Untersteuern, so schiebt das Motorrad in einer Rechtskurve in Richtung Gegenfahrbahn, in einer Linkskurve wird die Kurve immer enger und es drängt das Motorrad über die Kurve hinaus.
  • Ein mangelhafter mechanischer Grip verursacht eine geringe Bodenhaftung des Hinterrades und verursacht somit einen temporären Schlupf.

Mechanischer Aufbau:

  • Lenkerflattern beim Beschleunigen aus der Kurve oder
  • Lenkerflattern beim Befahren von Fahrbahnlängsrillen.
  • Instabilität (pendeln oder wackeln) des gesamten Motorrads über die Längsachse des Motorrades

Dämpfungselemente:

  • Das Vorderrad oder das Hinterrad springt über kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen
  • Beim starken Abbremsen spürt der Fahrer eine Lenkerunruhe und eine Art von Gabelpumpen.
  • Keinen Grip am Hinterrad
  • Schwammiges Gefühl
  • Durchschlagen der Dämpfungselemente
  • nach Durchfahren einer Bodenwelle in Längsrichtung beginnt das Motorrad zu wackeln
  • am Reifen unterschiedlicher Abrieb an den Profilübergängen, so dass unterschiedliche Profilhöhen entstehen.
  • fehlende Übertragung der Reifendynamik über die Dämpfungselemente an den Lenker, so dass dem Fahrer das Feeling über die Haftungszustände der Reifen fehlt.

Für Straßenfahrer
Fahrwerksschwächen werden auch oft erkennbar, wenn man nicht auf seiner Hausstrecke unterwegs ist, auf der man alle schwierigen Passagen meistert, weil man seinen Fahrstil auf die Möglichkeiten des Fahrwerks ausgerichtet hat und eben so fährt, wie es das Fahrwerk erlaubt.
Fährt man jedoch unbekannte Routen, wirkt das Motorrad oft nicht zielgenau. Meist hat man den Eindruck, das Motorrad drängt es zur Fahrbahnmitte, die Kurven "machen zu". Die Handlichkeit ist nicht mehr gegeben, da man auf Grund der fehlenden Streckenkenntnisse die Einlenkpunkte nicht kennt und "das Fahrwerk eben nicht kann" wie man selbst möchte.
Oder wenn man "über den Asphalt hoppelt", weil man die Bodenwellen vor der nächsten Rechtskurve hinter der Kuppe nicht kannte. Das Umlegen in Links-/Rechtskombinationen kann nicht in der gewünschten Geschwindigkeit erfolgen. Auch ein frühes Aufsetzen in der Schräglage oder heftiges Durchschlagen der Federgabel oder des Federbeins sind Anzeichen für Fahrwerksfehlstellungen.
Das Fahrwerk sollte stets mehr Potential besitzen, als man selbst ausschöpfen kann. Dies sorgt für die notwendige Sicherheitsreserve und fördert die Weiterentwicklung des eigenen Fahrstils.


Für Rennstreckenfahrer
Dem Motorrad fehlt die spielerische Handlichkeit. Ein schneller Kurvenwechsel erfordert ein kraftraubendes Ziehen und Drücken am Lenker.
Durch fehlende Zielgenauigkeit kann die Kurvenlinie nicht gehalten werden. Somit vergrößert sich der gefahrene Radius der Kurve gegenüber der Ideallinie und dem Fahrer fehlt die Möglichkeit, die Linie nach innen zu korrigieren.
Ein schlechter Vorderrad-Grip verhindert eine hohe Kurveneinfahrts- sowie Kurvendurchfahrtsgeschwindigkeit und ein schlechter Hinterrad-Grip verhindert ein frühes Beschleunigen am Kurvenausgang.
Bei hoher Geschwindigkeit (ab ca. 180 km/h) kann das Motorrad durch pendeln oder wackeln unruhig werden. Weiterhin kann beim Bremsen ein sogenanntes "stempeln" auftreten, das sich durch ein springen des Hinterrades bemerkbar macht. Eine fehlende Bremsstabilität verursacht ein seitliches Ausbrechen des Hecks.