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Stand: 27.05.2011

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Fehlstellungsprüfung    Geometrie    Dämpfungselemente    Mechanischer Aufbau    Reifen

Die Fehlstellungsprüfung


Warum Fehlstellungsprüfung?
Das Motorradfahrwerk wird zum Aufspüren von Fahrwerksschwächen bzw. Fahrwerksfehlstellungen wie bspw. übermässiges Lagerspiel, unkorrekte Dämpfungsabstimmung, falsche Geometrie-Einstellungen oder mangelhafte Serienfertigung der Fehlstellungsprüfung unterzogen, die Voraussetzung für eine professionelle Fahrwerksoptimierung ist. Als Ergebnis wird ein Messprotokoll erzeugt.


Aufnahme der optimierungsrelevanten Istwerte
Die Fehlstellungsprüfung beginnt mit der Zustandserfassung der optimierungsrelevanten Werte, die ohne Vermessung ermittelt werden können, wie bspw. die Reifengrößen, den Gabelüberstand und die Heckhöhe. Außerdem werden die individuellen und allgemeine Ansprüche, die an das Fahrwerk gestellt werden, abgeklärt.
Individuelle Ansprüche an das Fahrwerk:
Solo oder mit Sozius fahren, mit oder ohne Gepäck fahren, die persönliche Neigung zu einer strafferen oder komfortableren Abstimmung, wie hoch ist das Gewicht des Fahrers, des Sozius und des Gepäcks.

Allgemeine Ansprüche an Strecken:
Auf welchen Strecken soll gefahren werden: nur auf öffentlichen Straßen, auf öffentlichen Straßen und Rennstrecken ode nur auf Rennstrecken. Handelt es sich bei Rennen um Hobby- oder Profimeisterschaften?

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Ermittlung der Felgenbreite   Messen des Gabelüberstands   Heckhöhe ermitteln  


Ermittlung des Negativfederwegs
Der Negativfederweg wird unter Berücksichtigung des Fahrergewichts ermittelt.

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Messen des Negativfeder-wegs der Gabel   Messen des Negativfeder-wegs am Federbein


Analyse der Dämpfungselemente mittels Druckprobe

Die Dämpfungselemente werden mittels einer Druckprobe einer ersten Analyse unterzogen.

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Druckprobe vorne   Druckprobe hinten


Die Fahrwerk-Vermessung
Bei der Fahrwerk-Vermessung werden die Istwerte der Fahrwerksgeometrie einschließlich der Verwindung von Gabel, Rahmen und Schwinge ermittelt und festgehalten.


Fixierung des Motorrads für die Vermessungsdurchführung
Das Motorrad wird am Vermessungsplatz für die Prüfung des mechanischen Aufbaus und die Vermessungsdurchführung fixiert, wobei das Vorderrad freischwebend, d.h. ohne Bodenkontakt positioniert werden muss.

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Freischwebende Fixierung des Motorrads


Prüfung des mechanischen Aufbaus
Das Motorrad wird am Vermessungsplatz für die Prüfung des mechanischen Aufbaus und die Vermessungsdurchführung fixiert, wobei das Vorderrad freischwebend, d.h. ohne Bodenkontakt positioniert werden muss.

Es erfolgt die Erstanalyse des mechanischen Aufbaus durch Zustandsprüfung der Lager:

  • Prüfung der Lenkkopflager
  • Prüfung der Radlager von Vorder- und Hinterrad auf Rattern, mangelnden Gleichlauf, Lagerspiel oder sonstige Laufgeräusche
  • axialer Gleichlauf der Felgen und Bremsscheiben
  • Kontrolle der Schwingenlager auf axiales Spiel
  • Kontrolle der Hebelei und Federbeinlagerung auf Spiel.
Anmerkung: Durch die Erstanalyse des mechanischen Aufbaus kann nur eine Erstaussage getroffen werden. Bei Aussagen des Fahrers über das (Fehl-)Verhalten des Motorrades ist unter Umständen eine nähere Kontrolle durch zerlegen der Lagerstellen notwendig.

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Kontrolle des Schwingenlagers auf axiales Spiel   Kontrolle der Hebelei und Federbeilagerung auf Spiel


Vorbereitung der Vermessung
Das Motorradfahrwerk wird für die Vermessung mittels folgenden Aktionen vorbereitet:
anbringen von Messpunkten an Felgen, Reifen und Lenker Ermittlung von Mittelpositionen der Achsen mittels Messpiloten und zur Hilfenahme eines Messwerkzeuges zur Bestimmung des Achsenverlaufs der Zentrumsachse/Schwingenachse.
Weiterhin wird das Messgerät für die Vermessung vorbereitet:

  • Initialisierung des Messgerätes (Theodolit), durch ausrichten der linken und rechten Messposition auf Winkel- und Ebenendifferenzen des linken und rechten Messpunktes.
  • Eingabe von Motorradkomponentenwerten wie bspw. Felgenbreite
  • Eingabe der Meßzielgrössen wie bspw. Schwinge, Kettenflucht, Ritzeldrehpunkt.
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Einen Meßpunkt auf Felge anbringen   Gesamtsicht der Meßpunkte auf einer Felge   Meßpunkte am Rad
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Meßgerät initialisieren (linke Seite)   Meßgerät initialisieren (rechte Seite)   Initialwerte im Meßsystem eintragen


Durchführung der Fahrwerk-Vermessung
Auf Grund der eingegebenen Zielmeßgrössen fordert das Messgerät die manuelle Fixierung der Messpunkte an. Der Durchführende muß mittels dem Optikbaustein des Theodoliten die einzelnen Messpunkte erfassen und die punktgenau Fixierung mittels Tastendruck bestätigen. Folgende Messpunkte werden erfasst: 3 Messpunkte an der Hinterradfelge, 1 Messpunkt am Hinterreifen, 1 Messpunkt Schwingenachse links, 3 Meßpunkte schwingenachse rechts, 3 Messpunkte Vorderradfelge, 1 Messpunkt Vorradreifen, 3 Messpunkte Lenkachse, 1 für Motorradhöhe vorne. Mittels dieser Fixierungen errechnet ein Computersystem die Geometrie, den Winkelversatz, den Radaufstandspunktversatz und den Spurversatz. Alle Daten werden im Messprotokoll festgehalten.

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Messung vorne   Messung hinten    


Analyse und Diagnose der Vermessungsergebnisse:
Verdrehung/Versatz der einzelnen Komponenten

Verhältnis von Meßpunkten Aussage über Fehlstellungen
Verhältnis/Verdrehung der Lenkachse zur Schwingenachse Aussage über seitliche Verwindung oder Stauchung des Rahmens
Verdrehung des Hinterrades zur Schwingenachse Verdrehung der Schwinge
Verdrehung Vorderrad zu Hinterrad Verdrehung der Ebene des Vorderrades zu Ebene des Hinterrades
Verdrehung von Vorderrad zu Lenkachse Verwindung im Gabelverbund
Versatz der Hinterradmittelebene zur Lenkachse <in Arbeit>
Radaufstandspunktversatz <in Arbeit>
Versatz des Vorderrads zur Lenkachse <in Arbeit>
Spurversatz <in Arbeit>
Winkelversatz Hinterradebene zu Schwingenachse <in Arbeit>


Geometrieparameter

  • Lenkkopfwinkel
  • Nachlauf
  • Versatz der Gabelbrücken
  • Radstand
  • Rahmenlänge, die Strecke der Lenkachse (im 90° Winkel) zur Schwingenachse
  • Schwingendrehpunkthöhe
  • Schwingendrehpunkt zur Vorderradachse
  • Schwingendrehpunkt zur Hinterradachse = Schwingenlänge
  • Reifendurchmesser Vorderrad und Hinterrad


Erstellen eines ersten Konzeptes für Tuningmaßnahmen
Anhand der Messergebnisse und der gewünschten Fahrwerk-Verbesserungen auf Basis der überwiegenden Verwendung des Motorrads (Fahren alleine / mit Sozius / mit Gepäck, gemischter Einsatz auf Straße und Rennstrecke, ausschließlich Rennstrecke) und der Umfeldbedingungen (z.B. Fahrergewicht) werden die möglichen Optimierungsvarianten mit dem Kunden besprochen und ein Maßnahmenvorschlag erarbeitet.

Maßnahmenkategorien

Kategorien Häufige Fehlstellungen Empfohlene Tuningmaßnahmen
Normale Strassenfahrer Dämpfungselemente 100% - 600% unterdämpft, falsch eingestellt; Geometrieschwächen; mechanischer Aufbau schlecht, d.h. vorhandenes Lagerspiel, verschlissene Lenkkopflager

Geometrie-Tuning: Niveauanpassung Front- und Heckhöhe, Änderung der Schwingenlänge; Dämpfungselemente mit geeigneten Federn ausrüsten sowie den korrekten Negativfederweg einstellen

Mechanischer Aufbau: keine allzu negativen Auswirkungen auf Fahreigeschaften durch vorhandenes Lagerspiel, in der Tuning-Durchführung geringere Priorität.

Sportliche Strassenfahrer Dämpfungselement (100% - 180% unterdämpft, falsch eingestellt, Geometrieschwächen, mechanischer Aufbau schlecht
Strassen- und Rennstreckenfahrer Dämpfungselement (100% - 180% unterdämpft, falsch eingestellt, Geometrieschwächen, mechanischer Aufbau mangelhaft Wie bei Strassenfahrer, zzgl.bei Dämpferelemente Gabel- und FederbeinoptimierungenMechanischer Aufbau: abhängig vom Lagerschaden Austausch
Reiner Rennstreckenfahrer Dämpfungselement (60% - 180% unterdämpft, falsch eingestellt, Geometrieschwächen, mechanischer Aufbau mangelhaft Wie bei Mix Strassen / Rennstreckenfahrer, bei Federbeinen: Ersatz durch höherwertigere Federbeine
Halbprofis Dämpfungselement (40% - 80% unterdämpft, falsch eingestellt, Geometrieschwächen, mechanischer Aufbau mangelhaft Optimales Tuning der Geometrie, der Dämpfungselemente und des mechanischen Aufbaus durch Einsatz von hochwertigen Tuningteilen.
Profis Dämpfungselement (40% - 80% unterdämpft, falsch eingestellt, Geometrieschwächen, mechanischer Aufbau mangelhaft


Statistische Werte aus Fehlstellungsprüfungen


Mechanischer Aufbau:

  • Radlager zu 90 % in Ordnung
  • ca. 70% Probleme bei Schwingen und Hebelei-Lager
  • ca. 30 % mangelhaftes Lenkkopflager

Geometrieschwächen

  • ca. 70% Untersteuerung
  • ca. 80% Unhandlichkeit, Probleme beim Einlenken / Umlegen
  • ca. 70% schlechter Grip auch bei Tourenfahrer


Weitergehende Prüfung von Lagerschäden
Bei Erkennen möglicher Lagerschäden (siehe oben) wird das Motorrad einer weitergehenden Analyse unterzogen. Das Motorrad wird in der Rahmenrichtbank fixiert und durch Krafteinleitung wird Lagerspiel in den einzelnen Komponenten aufgedeckt. Das Verschleißbild und die ordnungsgemäße Montage eines Lagers können natürlich nicht im zusammengebauten Zustand beurteilt werden. Im Rahmen der Tuning-Durchführung werden fehlerhafte Lager überarbeitet oder wenn nötig erneuert und mit einem geeigneten Schmiermittel versehen. Bei Bedarf (siehe Tuning-Konzept) werden höherwertigere Lager eingebaut.

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