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Warum Fahrwerk-Tuning ?

Gefährliche Situationen
Den sogenannten "Oh das war knapp-Effekt" hat sicherlich jeder Motorradfahrer schon einmal erlebt. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen ist man damit beschäftigt, brenzlige Situationen in den Griff zu bekommen. Viele dieser Gefahrensituationen sind durch mangelnde Fahrwerkseinstellung, ich nenne es Fehlstellungen, verursacht. Jedes Motorrad sollte abhängig vom Fahrstil des Fahrers und dem Einsatzzweck (Strasse oder Rennstrecke) genügend Sicherheitsreserven besitzen, so dass keine gefährlichen Situationen, verursacht durch Fahrwerksfehlstellungen, entstehen können. Dann sind Fahrfluss und Fahrfreude gewährleistet.
Beim normalen Straßenfahrer werden die Schwerpunkte auf Komfort, Handlichkeit und Zielgenauigkeit gelegt, beim Rennstreckenfahrer wird auch der Grip als absoluter Schwerpunkt betrachtet.

Kennt der Fahrer das Fahrwerk seines Motorrades wirklich ?
Ein Grossteil der Motorradfahrer kennen das Fahrwerkspotential ihres Motorrads nicht. Sie haben keine Vorstellung, wie sich ein optimal eingestelltes Fahrwerk fährt. Die nach einer Fahrwerksoptimierung behobenen Fahrwerksfehlstellungen führen bei den Fahrern bei der ersten Probefahrt immer wieder zum absoluten "Aha-Effekt", beim dem die Größenordnung der Verbesserung erst spürbar wird.

Wie fühlt sich das Motorrad nach der Fahrwerk-Optimierung an?
Nach einer Fahrwerk-Optimierung besitzt das Motorrad eine spielerische Handlichkeit mit absolut stabiler Zielgenauigkeit, indem die Fahrradien nach innen und außen korrigiert werden können. Ebenso wird ein wesentlich verbesserter Grip erreicht, so dass im Kurvenausgang wieder frühzeitig beschleunigt werden kann.

Wie kommt es zu Fahrwerksfehlstellungen?
Motorräder desselben Typs haben oft unterschiedliche Fahreigenschaften, verursacht durch werksseitige Fertigungstoleranzen. Das Motorrad als Einspurfahrzeug reagiert jedoch wesentlich sensibler auf diese Fertigungstoleranzen wie ein Zweispurfahrzeug. Testen Sie fünf baugleiche Motorräder auf einen Leistungsprüfstand. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sich drei in einem engeren Leistungsbereich mit jeweils einem Ausreißer nach oben und unten befinden.
Ein Serienmotorrad ist auf ca. 72 - 75 kg Fahrergewicht ausgerichtet. Die Komfortseite ist betont: die Dämpfungselemente sind unterdämpft. Oft wiegt der Fahrer mehr als die Hälfte seines Motorrades. Logisch dass das Gewicht des Fahrers ganz entscheidenden Einfluss auf die Fahrdynamik (Statisches Gewicht [Motorrad-Gewicht + Fahrer-Gewicht] + Dynamik) hat. Frühes Aufsetzen in Schräglage und heftiges Durchschlagen der Gabel und des Federbeins sind ernstzunehmende Einschränkungen der Fahrsicherheit. Insbesondere bei Fahren von nicht bekannten Streckenführungen macht sich ein optimiertes Fahrwerk bemerkbar. Bei bekannten Streckenführungen kann sich der Fahrer schon auf markante Streckenabschnitte wie Bodenwellen/Mulden einstellen, jedoch nicht bei unbekannten Streckenführungen.

Ist die Fahrwerk-Optimierung aufwändig?
Oft ist wenig Aufwand notwendig, um eine spürbare Verbesserung seines Serienfahrwerkes zu erreichen. Durch gezielte Änderungen an definierten Fahrwerkskomponenten können, wie im Rennsport unverzichtbar, die Fahreigenschaften wesentlich und spürbar verbessert werden. Die Vielzahl an Einstellmöglichkeiten beeinflusst die Fahrwerksgeometrie als Ganzes und bedarf einer professionellen Analyse, Diagnose und Optimierung durch Simulation. Mit einem unkoordinierten "Drehen" an den Setup-Schrauben durch den Nicht-Fachmann erhält man, wenn überhaupt, nur ein bedingt zufriedenstellendes Ergebnis.
Die Behebung der Schwachpunkte beträgt oft nur eine sehr geringe Investition gegenüber dem Aufwand zur Anschaffung eines Motorrades, der Ausrüstung sowie dessen Unterhalt.
Durch das Fahrwerk-Tuning erhalten Sie verbesserte Fahreigenschaften und erhöhen die Sicherheitsreserven. Dadurch erfahren Sie mehr Freude am Motorradfahren, eine fahrtechnische Weiterentwicklung und die Anerkennung durch Ihre Motorrad-Freunde.

Fahrwerks-Tuning für Rennstreckenfahrer
Ein Serienmotorrad besitzt in nahezu allen Fällen nur einen Bruchteil der möglichen Voraussetzungen, um Rennen professionell bestreiten zu können. Ein Rennstreckenfahrer setzt etwas andere Ansprüche an das Fahrwerk seines Motorrads. Nicht der Komfort und die Sicherheitsreserven haben oberste Priorität, da sich der Rennstreckenfahrer sowieso am oberen Limit bewegen möchte. Aber eben dieses Bewegen am Limit sollte immer in einem "gutmütigen" und kontrollierbaren Grenzbereich möglich sein. Der Fahrer sollte nicht mit dem Fahrwerk des Motorrads kämpfen müssen. Es sollte ihn in die Lage versetzen, mit einer möglichst langen Fitness, auch gegen Rennende, sich auf die Positionskämpfe mit seinen Konkurrenten und auf die Taktik des "wie, wann und wo des Rennsports" konzentrieren zu können.
Eine verinnerlichte Streckenführung beeinflusst natürlich die Linienwahl, jedoch sollte man stets das Gefühl haben, das Fahrwerk hat mehr Potential als man selbst ausschöpfen kann. Dies fördert die Weiterentwicklung des eigenen Fahrstils und sorgt für einen "gutmütigen Grenzbereich".
Welche Eigenschaften muss das Fahrwerk eines erfolgreichen Rennstreckenfahrers besitzen? Das Motorrad muß mit spielerischer Handlichkeit, aber auch mit absoluter Hochgeschwindigkeitsstabilität und neutraler Zielgenauigkeit fahrbar sein. Die Kurvenradien müssen nach innen und außen korrigierbar sein und die Beschleunigung muss so früh wie möglich machbar sein.